17.03.2025
Auftakt zum Jubiläumsjahr für Konrad Wolf

Pressemitteilung 84/2025 der Stadt Bernau bei Berlin
Mehr als 150 Besuchende folgten der Einladung des Urania Barnim e.V. in Kooperation mit der Stadt Bernau zur Auftaktveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstags von Konrad Wolf. "Künstler, Ehrenbürger, Mensch" - hieß die Veranstaltung, die die interessierten Gäste am 14. März im Bürgersaal des Neuen Rathauses Bernau verfolgten und die eine Reihe von Vorträgen, Erinnerungen und Filmvorführungen bot.
Mit einer originalen Filmaufnahme unter dem Titel „Dafür will ich gebraucht werden" stieg Moderator Dr. Dieter Korczak in den besonderen Nachmittag ein. Die Aufnahme zeigt, wie Konrad Wolf, der bedeutende Filmemacher der DDR, der langjährige Präsident der Akademie der Künste der DDR und kurzzeitige Erste sowjetische Stadtkommandant Bernaus lebte und dachte. „Konrad Wolf ist heute so aktuell wie zu seinen Lebzeiten. Er berührt mit seinen Antikriegsfilmen", so Dr. Dieter Korczak.
Konrad Wolfs beeindruckender Lebensweg wurde nachgezeichnet
Konrad Wolf, geboren am 20. Oktober 1925 in Hechingen, hat einen beeindruckenden Lebensweg eingeschlagen. Als Mensch, als Gestalter und als Künstler hat er starke Spuren in Bernau hinterlassen und natürlich in der Kultur, vor allem im Genres Film als bedeutendster Regisseur der DDR.
Er wuchs in einer Familie auf, die von sozialer Verantwortung und politischem Engagement geprägt war. Sein Vater, der Arzt und Dramatiker Friedrich Wolf, und seine Mutter Else Wolf waren bekennende Kommunisten und Freunde der Sowjetunion. Das prägte Konrad Wolf in seiner Kindheit und Jugend und begleitete ihn auf seinem gesamten Lebensweg.
Dazu gehört die Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1933/34 nach Moskau, wo die Familie ihre deutsche Staatsbürgerschaft verlor
und sich ein neues Leben aufbaute. In der Sowjetunion ging Konrad Wolf zur Schule, knüpfte Freundschaften, erlebte Literatur und Kultur und lernte die Werte und Bräuche, die Sprache und Leben der Menschen. Im Jahr 1943 – mit 17 Jahren - trat Konrad Wolf von der Schule in die Rote Armee ein. Vom Vorgebiet des Kaukasus ging es bis zu den Vorstädten Berlins. Am 16. April 1945 befand sich der junge Wolf am Oderufer. Der Kriegsweg führte ihn über Wriezen nach Bernau. Zwischen Börnicke und Bernau erhielt Wolf von Generalleutnant Perchorowitsch den Befehl zum zeitweiligen Kommandanten der Stadt Bernau bis zur Ablösung durch den ordentlichen Kommandanten. Am 22. April 1945 wurde Konrad Wolf neunzehnjährig für zwei Tage der Erste sowjetische Stadtkommandant.
Konrad Wolf als Filmemacher
Dieses Schlüsselerlebnis prägte den jungen Mann, der in Kriegstagen vom Erlebten und Gesehenen zutiefst erschüttert war. Konrad Wolf haderte mit seinem Vaterland und sagte später selbst, dass er damals kein Deutscher sein wollte. Eindrücklich zeigt das sein autobiografischer Film „Ich war 19“, den er 1967 drehte und der am 6. Februar 1968 im Filmpalast in Bernau seine Premiere hatte. Dieser Film zeigt nicht nur das Erlebte Wolfs in Kriegstagen, sondern auch die entstehende Verbindung zu Bernau. Das spiegelt sich in den vielen Filmaufnahmen wieder, die in Bernau dafür aufgenommen wurden. „Ich war 19“ gilt unter den Kunstkritikern als einer der wichtigsten antifaschistischen Filme. Bei der DEFA drehte Konrad Wolf in 27 Jahren 15 Filme.
Konrad Wolfs Treue zu Bernau
1965 wird Konrad Wolf mit 39 Jahren Präsident der Akademie der Künste in der DDR. Dem Film und auch Bernau blieb er weiterhin treu. Viele Kurzfilme, die zwischen den 1970 und 1980 Jahren in Bernau entstanden sind, zeigen den Künstler Konrad Wolf, der immer wieder nach Bernau zurückkehrt.
In vielen dieser Filme geht es um die eigenen Möglichkeiten, das Land wiederaufzubauen und um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, auch um die Bedeutung des Militärs. Der Kontakt zu Bernau blieb Zeitlebens bestehen, die Verbindung war mehr als nur die zweitägige Stadtkommandantur 1945. So sagte Wolf nach einer USA-Reise 1975, auf der er eigene Filme zeigte: „Nun weiß man sogar auf Alaska über Bernau!"
Ende der 70er Jahre beschäftigte sich Konrad Wolf intensiv mit den Problemen der Stadt. Wohnraummangel war damals das bestimmende Thema - der Bauzustand der Gebäude in der Altstadt war so schlecht aufgrund schwerer Schäden, dass eine Rekonstruktion bzw. Sanierung als unwirtschaftlich eingestuft werden musste. Es folgten Abriss und industrieller Wiederaufbau.
Konrad Wolf als Jurymitglied zur Rekonstruktion der Bernauer Innenstadt
Hier unterstützte Konrad Wolf maßgeblich. Er half bei der Planung, bei der Rekonstruktion der Innenstadt, die im Jahr 1979 begann. Wolf war Teil der Jury zur Rekonstruktion des Zentrums und setzte sich durch mit dem Ziel, dass das historische Gesicht Bernaus erhalten blieb, zum Beispiel durch denkmalgeschützte Einzelbauten. Auch trug Wolf maßgeblich dazu bei, dass die Wohngeschosse im Zentrum nicht höher als 4 Etagen waren, als Orientierung an die ursprünglichen Geschosshöhen.
Er selbst beschrieb und begründete dieses Engagement als Gebrauchtwerden, was die Dokumentation des Amateurfilmzentrums Bernau im Filmmuseum Potsdam eindrücklich zeigt und die den Auftakt zum Konrad-Wolf-Jahr darstellte.
Bei der Veranstaltung zum Jubiläum sprachen Literaturwissenschaftler Paul Werner Wagner über ihn als Künstler und die Bernauerin Birgit Lembke-Steinkopf über den Ehrenbürger. Denn die Bernauer setzten ihm noch zu Lebzeiten ein dankendes und erinnerndes Zeichen. 30 Jahre nach Kriegsende und der kurzzeitigen Stadtkommandantur verlieh die Stadtverordneten-Versammlung Konrad Wolf am 20. April 1975 die Ehrenbürgerschaft der Stadt.
An das Wirken Konrad Wolfs als einer der bedeutendsten Regisseure der DDR, an seine Verbindung zu Bernau und seiner besonderen Rolle zum Kriegsende erinnert eine Gedenktafel in der Nähe des Pulverturms.
Weitere Veranstaltung zum Konrad-Wolf-Jubiläum folgen
"Die Auftaktveranstaltung des Urania Barnim war ein sehr würdevoller Auftakt des Konrad-Wolf-Jahres. Vor allem um seinen 100. Geburtstag herum, der sich am 20. Oktober jährt, wird die Stadt Bernau in Kooperation mit weiteren Akteuren Konrad Wolf in einer Reihe von Veranstaltungen, die sich mit seinem Leben und Werk auseinandersetzen, erinnern", blickt Museumsleiterin Franziska Radom ins Jahr. Sie begleitete den Auftakt und nutzte die Veranstaltung zum Netzwerken mit den geschichtlich interessierten Bernauern.
Der Auftakt „Künstler, Ehrenbürger, Mensch" war ihrer Ansicht nach ein voller Erfolg, an den die Stadt anknüpfen möchte. Vor allem im dritten Quartal des Jahres wird es weitere Lesungen und Filmvorführungen geben. Ob im Rahmen des Kinderfilmfestes oder des Winterfilmprogramms im Bauhaus-Besucherzentrum werden vielfältige Eindrücke zur Person Konrad Wolf und zu seinem Schaffen vermittelt werden.